Vicu – Vico

Von , Januar 29, 2012 6:45

Zum ersten Mal fahre ich nach Vicu, und wie es aussieht, wird das mehr als 2,5 Stunden dauern. Ich habe einige Prinzipien für meine Fahrten zu Konzerten in Korsika: Falls ich die Strecke zu beängstigend finde, um nachts zu fahren, bleibe ich, bis die Sonne aufgeht. Und falls mich die Müdigkeit überwältigt, halte ich eben an und schlafe im Auto.

Die Strecke hier ist in der Tat ziemlich heftig, sie lässt sich in drei Abschnitte einteilen:
Der Erste ist ganz normal mit einem Mittelstreifen, aber der zweite Teil ist felsig mit hohen Klippen an der rechten Seite, die leicht den Lack meines Wagens abkratzen könnten.
Links ist auch eine Klippe mit steil ansteigenden Felsen dahinter. Sieht aus wie eine “verrückte Mondlandschaft”. Es ist heiß, annähernde 40°, aber der Wagen hat Gottseidank Klimaanlage.
Der letzte Teil der Strecke führt durch den Wald und somit gibt es hier wilde Tiere. Es hat gerade geregnet und die Temperatur ist merklich gefallen, es ist gerade noch über 20° Grad warm.

In Korsika können sich die Dinge schnell ändern.

Stick pigs on the road to VicuGoat

Der zweite Teil der Strecke ist am herausfordernsten. Rechts ist die Schlucht, und am Rande sind Steinmauern angebracht, die Dich auf der Strasse halten sollen. Besser, man schläft nicht ein.
Aber als ich in Vicu ankomme, bin ich sicher, dass ich gleich nach dem Konzert zu meinem Appartement zurückfahren werde. Ich werde diese Herausforderung annehmen. Ich schicke schon ein

Gebet los, damit ich nicht mit einem Laster, einem Feuerwehrwagen oder einem Camper zusammenstoße.


Vicu ist eine etwas seltsame Stadt mit einer langen scharfen 300° Kurve im Zentrum. Das Konzert findet im Stadion, etwas außerhalb, statt.

Als ich ankomme, beginnt die Band schon mit dem Sound-Check, und der öffentliche Zugang scheint geschlossen zu sein. Aber Dumé, der jeden Abend Tickets verkauft, kennt mich schon, und lässt mich freundlicherweise durch, vorausgesetzt, ich gehe nach dem Sound-Check zurück und lasse ihn mein Ticket abreißen.
Als ich eintrete, bemerkt mich direkt Mickey Meinert, der Guitarrist. Er begrüßt mich herzlich und macht von der Bühne herunter Gesten, die mir bedeuten sollen, dass ich warten soll, weil er mir etwas sagen will.

Mickey ist erst kürzlich zur Band gekommen und wir haben uns kurz am Morgen nach dem ersten Konzert des Giru getroffen, das ich dieses Jahr besucht habe, in Ajaccio.
Zufälligerweise war ich im selben Hotel wie die Band und an jenem Morgen saß er gemütlich und entspannt auf der Terrasse und schaute auf die Straße nach Calvi, wo sie diesen Abend spielen würden. Als ich ihn fragte, was er vom Giru hält, vermittelte er den Eindruck, als fühle er sich sehr geehrt, dieses schöne Korsika besuchen zu dürfen – dieses Land, das er zuvor noch nicht gesehen hatte – und hier schöne Musik mit excellenten Musikern machen zu dürfen, die zudem noch sehr sympathisch geblieben waren. Er strahlte richtiggehend, und das Lächeln wollte nicht aus seinem Gesicht weichen.

Es dauert eine Weile, bis er zurückkommt, aber das liegt daran, dass er nach hinten gegangen ist, um seine CD “Hin und Her” zu holen, die er vor zwei Jahren herausgebracht hat, und die er mir geben will. Ich danke ihm für das Geschenk und frage ihn nochmal, warum er so gerne Abend für Abend in Korsika spielt. Wieder sagt er, er fände es phantastisch.”Die Gefühle, die Ihr im Saal spürt, glaube mir, die spüren wir auf der Bühne auch”.

Unsere Unterhaltung wird plötzlich unterbrochen, da der Sound-Check nun richtig beginnt und Mickey teilnehmen muss. Bald danach kommt auch Alain auf die Bühne. Weil er kein Instrument spielt, hat er eigentlich nicht viel zu tun beim Sound-Check, und muss warten bis zum Ende, um sein Mikrophon auszurichten. So ist es jeden Abend, und eben auch heute Abend: Alain muss warten. Das tut er oft hinter der Bühne, manchmal auf einem Stuhl im Saal, aber heute Abend eben auf der Bühne. Und Alain kann auf so schöne Weise warten!

Der Sound-Check ist nie ganz intern. Immer kannst Du fragem, ob Du rein kannst. Heute Abend hat dies eine Frau getan – bei Shelly, der Managerin – und Shelly begleitet sie zu Jean-Francois. Sie bittet ihn um ein Autogramm auf ihrer Ausgabe des “Dicocorse”. Wie wichtig der Sound Check auch immer sein mag, es ist immer Zeit für Dinge wie diese, auch wenn es eigentlich unmöglich ist.

Das Konzert selbst lief wie am Schnürchen. Mittlerweile haben sie die Songs, einschließlich der neuen, so oft gespielt, dass die sich fast von selber spielen. Am auffälligsten ist, dass das Publikum in Vicu viel mehr lacht über die Witze von Jean-François als anderswo.

Das Programmheft beinhaltet dieses Jahr eine Lyrik, den Song “Quand’hè” aus der letzten CD “et les 500 Choristes”. (I Muvrini und die 500 Choristen). Es trägt die Überschrift “Je chante I Muvrini” (ich singe I Muvrini); dieselbe Einladung steht auf ihrer Webseite. Es ist eine Einladung an alle, einen I Muvrini Song auf ein Video aufzunehmen, und es ihnen zu schicken. Daraus suchen sie die besten heraus und präsentieren sie auf ihrer Webseite. Es gibt diese Einladung schon seit geraumer Zeit, aber bisher noch kein entsprechendes Video.

Ganz ehrlich, ich habe Zweifel, ob “Quand’hè” der Song ist, der die Zweifler davon überzeugt, ihre Performance dazu in einem Video festzuhalten. Der Text der Verse ist sehr schnell, halb gesungen, halb gesprochen, und ist schwer zu lernen. Neben dem korsischen Text ist in dem Heft die französische Übersetzung enthalten, lässt aber den korsischen Sätzen nicht genügend Raum.

Zum Beispiel schrumpfen einige Worte in ein einziges Wort zusammen wie: “Mafiosapassaáatelevisio”, während der Satz eigentlich heißt: “Mafiosa passa à a televisiò”.

Je chante I Muvrini

Ich selbst war so verrückt, den Song auswendig zu lernen, was drei Wochen gedauert hat. Ich fand dies die größte Herausforderung im Repertoire von I Muvrini, und fand es deshalb merkwürdig, dass genau diese Lyrics angegeben wurden, um das Publikum zu ermuntern, sie mitzusingen.
Aber vielleicht hilft meine Vorgehensweise einigen Leuten:
Zuerst habe ich alle Zeilen nach Gehör niedergeschrieben, denn diese Zeilen in diesem Tempo und dieser Sprache zu lesen war unmöglich. Sobald ich die Worte so gut kannte, dass ich in den originalen korsischen Text wechseln konnte, habe ich den “phonetischen” Text ersetzt durch den originalen Text, so lange, bis ich den gesamten Text kannte.
Zur Demonstration habe ich (unten) meine “phonetische” Version auf der rechten Seite – neben dem Originaltext auf der linken Seite aufgeschrieben Unglücklicherweise zeigt dies nur die letzte Stufe meines Lenrprozesses, in dem so viel Text ersetzt wurde, aber man kann immer noch Spuren der früheren Phasen erkennen.

Quand’hè
Stasera u paese s’assumiglia à a cità Stasera u paese s’assumiglia à la cità
Ùn si vede nisunu ùn ci hè anima chì và Un si vede nisunu un ci he anima chì và
Ùn aghju voglia à di e più pocu à dumandà Un aghju voglia à di e più pocu à dumandà
Stasera ci hè da more sai o mà Stasera tji da more sai o ma
Cinque ore diggià chjosi li purtò Cinque ore deno djosi li purto
Daretu a i mio muri mi ne vò Daretoe ai mio moeri mi ne vo
A to telefunata face prò Ato telefoenata fatjee pro
Dumenica si porta male è bè Dumenica si porta male è bè
Dumane passeraghju à lu caffè Dumane passeraghju à lu caffè
È torna mi dumandarà di tè È torna mi dumandarà di tè
Quand’hè l’ora di campà Quand’hè l’ora di campà
Quand’hè ch’ella venerà Quand’hè ch’ella venera
Quand’hè l’ora di campà Quand’hè l’ora di campà
Quand’hè chè no l’emu da fà Kwandee kenelemoewafa
Stasera u paese face nice d’aspettà Stasera oe paesa fatje niesje aspetta
Ci hè duie case à vende a chì vole cumprerà Tsji doeje casa vende a ki bole kumprera
Dumane farà ghjornu mi vurria addurmentà Dumane fera jornu mi joeri addurmenta
Dumane farà ghjornu diu hà fattu eppo farà Dumane fera jornu dioe fattu pofera
Cinque ore l’anu chjosi li purtò Cinque ore l’anu chjosi li purtò
Stasera u mio core dice innò Stasera oe mio core ditsjeeno
Mafiosa passa à a televisiò Mafiosa passa à televisiò
À belli novanti anni pè finì A belli novantanni pe fini
Dumenica ci crede è torna à dì Dumenica tji crede a torna di
Tù o figliolu statti quì Toe o figliolu stati qui
Quand’hè l’ora di campà Quand’hè l’ora di campà
Quand’hè ch’ella venerà Quand’hè ch’ella venera
Quand’hè l’ora di campà Quand’hè l’ora di campà
Quand’hè chè no l’emu da fà Kwandee kenelemoewafa
Cusi corre l’esiliu duve stò Cusi corre lesiljoe doe-e sto
Hè scritta libertà pè u stradò He scritta liberta pe oe strado
T’abbracciu à un bel ghjornu s’e ci sò Tabbratja un bel ghjornu se ci so
Quand’hè l’ora di campà Quand’hè l’ora di campà
Quand’hè ch’ella venerà Quand’hè ch’ella venera
Quand’hè l’ora di campà Quand’hè l’ora di campà
Quand’hè chè no l’emu da fà Kwandee kenelemoewafa

© Jean-François Bernardini

Wann

Heute Abend ist das Dorf so tot wie die Stadt
Alles verlassen keine Menschenseele Keine Hoffnung mehr keine Fragen
Bleibt nur noch zu sterben

Um 5 Uhr sind alle Türen zu
in meinem Haus verschanzt will ich nur weg
Danke dass du anrufst das tut mir gut

Dumenica is doing fine
Morgen schau ich auf einen Kaffee bei ihr rein
Sie fragt bestimmt wieder nach dir

Wann endlich fängt hier das Leben an
Wann
Wann endlich fangen wir damit an…

Heute Abend scheint das ganze Dorf zu warten
Zwei Häuser stehen zum Verkauf
Ganz egal wer sie nimmt

Morgen ist ein neuer Tag
Ich will endlich schlafen
Morgen ist ein neuer Tag
Ach Gott steh uns bei

Es ist erst 5 alle Türen verschlossen
Heute Abend sagt alles in mir NEIN
Im Fernsehen läuft die Serie wo alle Korsen in der Mafia sind

Dumenica bald 90
Glaubt noch an die Zukunft
Und immer wieder sagt sie:”Du mein Junge, du bleibst doch hier, bei uns…

Wann endlich fängt hier das Leben an
Wann
Wann endlich fangen wir damit an…

So bin ich hier zuhause, das ist mein Exil
Und “Freiheit” steht gross vor mir als Ziel
Tschüss und bis morgen
Ja bis zu einem besseren morgen vielleicht

Wann endlich fängt hier das Leben an
Wann
Wann..wann endlich fangen wir damit an
Wann..wann endlich fangen wir damit an

Meine “stimmlichen Fähigkeiten” erlauben mir nicht, I Muvrini ein Video zu schicken. Sie können es viel, viel besser. Schaut, wie sie “Quand’hè” in Vicu gesungen haben!

Nach dem Konzert fahre ich wieder ohne Probleme. Am zweiten Teil hält ich, schalte das Licht meines Autos aus und steig aus. Ich bin buchstäblich nicht in der Lage, meine Hand vor meinem Gesicht zu sehen. Ich weiß das den Canyon innerhalb von zwei Meter von mir entfernt ist und starrte atemlos in den Himmel die nicht den Schlucht beleuchten kann. Dann trete ich zurück ins Auto und fahre, hellwach und sehr alert nach meinem Appartement. Als ich in mein Bett einsteige denke ich: „diese Strecke, ich möchte sie auf jeden Fall wieder fahren!

Moriani – Vicu= 121 km, 2 Stunden 38 Minuten

Die Strecke zwischen Moriani und Vicu.


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Die Tennisplätze unter dem Feld, wo das Konzert stattfand.


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Ein Bild von dem Terrain, so dass Sie dies immer wieder zurück finden kann, wenn Sie umhergeblickt hat in Google Maps.

Der Blick auf die Straße von Google Maps reicht leider nicht aus bis zum Eingang des Stadions. Dies ist die Straße, in die Sie muss einbiegen, um dem Stadion zu erreichen.


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